Wer im Sommer 2026 die Schleswiger Museumsinsel besuchte, traf nicht auf das barocke Schloss Gottorf in alter Pracht, sondern auf ein Kulturareal im Umbruch. Zwischen Baugerüsten und historischen Mauern entfaltete sich eine Ausstellung, die ihresgleichen sucht. Wir waren am 23. August 2026 dort, da wir zeitgleich über das Baltic Open Air berichteten.
Das Schloss Gottorf ist seit September 2025 wegen einer mehrjährigen Sanierung geschlossen, die Wiedereröffnung ist für 2029 geplant. Dieser Beitrag beschreibt unseren Besuch im August 2026 auf der Museumsinsel.
Ein Schloss, das gerade schweigt
Das eigentliche Schloss ist wegen der Sanierung geschlossen, herzogliche Prunkräume und der berühmte Hirschsaal sind derzeit nicht zu sehen. Die Betreiber haben aus der Not eine Tugend gemacht: Die Museumsinsel selbst blieb geöffnet, ebenso die beiden angrenzenden Attraktionen, der Barockgarten mit dem rekonstruierten Gottorfer Globus, zwei Orte, die sonst leicht im Schatten des Schlosses stehen.
Rebecca Louise Law: State of Nature
Zentrum des Ausstellungsprogramms war die britische Installationskünstlerin Rebecca Louise Law mit ihrem Projekt „State of Nature“, das sich über vier Standorte in Schleswig-Holstein erstreckt. Auf der Museumsinsel bespielt sie die Reithalle mit der Arbeit „Florilegia“, rund einer Million getrockneter Blumen aus zwei Jahrzehnten ihres Schaffens, ergänzt um Bilder und Keramikarbeiten. Beim Betreten der Halle lag ein leiser, trockener Blütenduft in der Luft, während unzählige Blüten in dichten Bahnen von der Decke hingen. Es wirkte weniger wie eine klassische Ausstellung als wie ein begehbares Naturarchiv, in dem Vergänglichkeit sichtbar wird, ohne melancholisch zu sein.
Nur einen kurzen Fußweg entfernt zeigte Law im Globushaus des Barockgartens mit „Honesty“ ein zweites, intimeres Werk: tausende silbrig schimmernde Lunaria-Blätter, an feinen Kupferdrähten schwebend, direkt unter der Kuppel des begehbaren Globus-Nachbaus. Das Zusammenspiel aus historischem Sternenhimmel und zeitgenössischer Naturkunst funktionierte überraschend gut.
Gottorfer Globus und Barockgarten
Der Gottorfer Globus ist ein Nachbau des einst als erstes Planetarium der Geschichte geltenden Originals, das in Russland steht. Im Inneren nimmt man Platz und erlebt eine Weltreise durch den Sternenhimmel des 17. Jahrhunderts. An unserem Besuchstag feierte Schleswig-Holstein sein 80-jähriges Bestehen, wegen des hohen Andrangs war der Globus geschlossen, auch für uns, sodass wir keine Bilder zeigen können. Der Barockgarten präsentierte sich gepflegt und ruhig, mit Terrassen, dem Herkulesteich und kleinen Sichtachsen auf die Schlei, an einem Augustnachmittag deutlich entspannter als die belebte Reithalle.
Etwas irritierend war, dass die Wegeführung zwischen Museumsinsel, Reithalle und Globushaus nicht überall selbsterklärend war, wer sich vorher nicht informiert, verliert womöglich Zeit. Das Publikum war bunt gemischt, von Familien über Tagesausflügler bis zu Kunstinteressierten, die gezielt wegen Law angereist waren. Auch ohne das eigentliche Schloss bot die Museumsinsel ein rundes, sinnliches Erlebnis. Ein weiterer Ausflug rund um Schleswig führt zum Wikinger Museum Haithabu.
Bildergalerie
Tipps für den Besuch
Vor dem Besuch auf der Website prüfen, welche Teile der Museumsinsel geöffnet sind, die Wegeführung ist nicht überall selbsterklärend.
Adresse, Zeiten und Anreise
- Adresse
- Schloßinsel 1, 24837 Schleswig
- Zeiten Juli und August 2026
- 11:00 bis 17:00 Uhr, Samstag und Sonntag ab 10:00 Uhr, letzter Einlass 90 Minuten vor Schließung
- Anreise
- A 7, Abfahrt Schleswig/Jagel (aus Süden) bzw. Abfahrt Schuby über B 201/B 76 (aus Norden), jeweils mit Ausschilderung zum Schloss; kostenfreie Parkplätze vor Ort; Tickets am Kassenhäuschen am Eingang zum Schloss
Angaben nach unserem Besuch, Zeiten und Preise können sich geändert haben. Aktuelle Zeiten und Ausstellungen stehen auf der Website von Schloss Gottorf.
Karte und Navigation
Die Karte wird von Google Maps bereitgestellt. Beim Laden werden Daten an Google übertragen.










