Das Museum Ons‘ Lieve Heer op Solder liegt versteckt im Herzen der Altstadt, mitten im Rotlichtviertel von Amsterdam. In einem selten gut erhaltenen Grachtenhaus aus dem 17. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter der Stadt, verbirgt sich eine komplette Kirche auf dem Dachboden.
Vom Wohnhaus zur Dachbodenkirche
Zunächst geht man über schmale Flure und Treppen durch historisch eingerichtete Wohnräume, Küchen mit Delfter Kacheln und Bettstätten, bis man schließlich zur Kirche gelangt. Ons‘ Lieve Heer op Solder bedeutet so viel wie „Unser Herr auf dem Dachboden“. Die Dachbodenkirche (Zolderkerk) wurde im Auftrag des wohlhabenden katholischen Kaufmanns Jan Hartman gebaut und 1663 in Gebrauch genommen.
Ein Kapitel niederländischer Geschichte
Zu der Zeit, als der Leinenhändler Hartman mit seiner Familie in dem Grachtenhaus wohnte, stand die Stadt unter der Verwaltung eines protestantischen Magistrats. Es war verboten, einen anderen Glauben in öffentlichen Räumen auszuüben. Die ehemaligen katholischen Kirchen und Klöster waren beschlagnahmt und wurden für protestantische Gottesdienste genutzt. Die Katholiken mussten nach Alternativen suchen und hielten ihre Messe fortan in versteckten Hauskirchen ab.
Hinter seiner Haustür durfte jeder denken und glauben, was er wollte. Andere Religionsgruppen wurden zwar toleriert, durften jedoch nicht offen in Erscheinung treten.
Die Kirche heute
Bei der über zwei Etagen reichenden Kirche entschied man sich, sie im Originalzustand zu belassen. Über 100.000 Besucher erklimmen jährlich die historischen Stufen dieses Museums, und noch immer wird jede Woche eine Sonntagsmesse auf dem Dachboden gehalten. Einen Audioguide gibt es kostenlos dazu.
Verglichen mit großen Häusern wie dem Rijksmuseum oder dem Van Gogh Museum wirkt das Museum von außen eher unscheinbar, ist aber auf jeden Fall einen Besuch wert und ein echter Geheimtipp.
Bildergalerie
Tipps für den Besuch
Besitzer der I amsterdam City Card haben freien Eintritt.
Öffnungszeiten und Anfahrt zum Museum Ons‘ Lieve Heer op Solder
- Adresse
- Oudezijds Voorburgwal 38, 1012 GD Amsterdam
- Öffnungszeiten
- Täglich 10:00 bis 18:00 Uhr, Ausnahmen siehe Website des Museums
- Zu Fuß
- Fünf Gehminuten vom Hauptbahnhof und vom Metrobahnhof Nieuwmarkt
- Tram
- Linien 4, 14 und 24, Haltestelle Dam
- Auto
- Parkhäuser am Nieuwendijk, beim Kaufhaus De Bijenkorf (Dam) und am Hauptbahnhof
- Barrierefreiheit
- Nur eingeschränkt zugänglich, viele schmale Treppen.
Öffnungszeiten laut Website des Museums, Stand Oktober 2026. Anfahrt nach unserem Besuch.
Barrierefreiheit im Detail: Der Besuch des Grachtenhauses und der Kirche führt über viele schmale Treppen und ist deshalb nicht für alle gleich zugänglich. Für Besucher, die keine Treppen steigen können, gibt es die Tour CoVisit auf Niederländisch und Englisch: Sie machen einen virtuellen Rundgang in einem eigens eingerichteten Bereich, während ein Guide das Denkmal abläuft und per Telefon in Kontakt bleibt. Die Tour ist kostenlos und muss vorab gebucht werden (Telefon 020 624 6604), war zuletzt aber wegen Wartungsarbeiten nicht verfügbar. Museumscafé, Shop und Wechselausstellung sind per Aufzug erreichbar, eine angepasste Toilette ist vorhanden. Begleitpersonen von Besuchern mit Behinderung brauchen kein Ticket. Angaben laut Museum, Stand Oktober 2026.
Karte und Navigation
Die Karte wird von Google Maps bereitgestellt. Beim Laden werden Daten an Google übertragen.


















