50 Kilometer südwestlich von Berlin im Landkreis Potsdam-Mittelmark liegen die Beelitz-Heilstätten, eine ehemalige Tuberkulose-Heilanstalt und einer der größten „Lost Places“ in Deutschland. Beelitz ist längst kein Geheimtipp mehr unter Fotografen und Fans verlassener Orte, sondern einer der berühmtesten Lost Places des Landes.
Eine Vorzeigeklinik
Ab 1902 galten die Heilanstalten von Beelitz als Deutschlands Vorzeige-Tuberkuloseklinik und Sanatorium und seinerzeit als größtes und modernstes Krankenhaus der Welt. Die Patienten erlebten Luxus: Nur das Teuerste war damals gut genug, etwa die dreimal gebrannten Bodenfliesen von Villeroy & Boch. Auf einem weitläufigen Waldareal von zwei Millionen Quadratmetern sollten sich in 60 Gebäuden mit bis zu 1.200 Betten Patienten von der Lungenkrankheit erholen, die damals immerhin jeden dritten Berliner dahinraffte. Es gab eigene Waschhäuser, ein modernes Heizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung, ein Badehaus, eine Kegelbahn, einen Kinosaal und eine klinikeigene Kirche. Eine Sensation war eine Art Klimaanlage, die saubere Luft aus dem Wald über Rohre direkt in die Krankenzimmer pustete.
Geschichte
Im Ersten Weltkrieg dienten die Heilstätten als Lazarett und Sanatorium für Soldaten, mehr als 12.500 Mann sollen bis Kriegsende hier versorgt worden sein. 1916 wurde auch der Gefreite Adolf Hitler hier behandelt, nachdem er an der Westfront verwundet worden war. 1920 war die Zahl der Behandlungsanfragen so groß, dass nur noch Frauen und Kinder aufgenommen werden konnten. Von 1990 bis 1991 lebten Erich Honecker und seine Frau Margot unter dem Schutz der sowjetischen Streitkräfte auf dem Gelände, bis sie 1991 mit einem sowjetischen Militärflugzeug von Beelitz nach Moskau ausgeflogen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die Russen das Gelände bis 1994 als Militärhospital, seit 1994 liegt der Großteil brach und verfällt.
Der heutige Zustand
Die Gebäude sind verfallen, aus den Mauerritzen wachsen Bäume, auf den Wänden ist Graffiti, der Putz blättert ab, die Fenster sind vernagelt oder eingeworfen, und bei Unwetter tropft Regen durch die Dächer. Einige Gebäude wurden bereits an Investoren verkauft und werden saniert, das einstige Küchengebäude des Frauensanatoriums ist fertig saniert und äußerlich ein Hingucker. Ein Immobilienentwickler baut den Quadranten D der ehemaligen Lungenheilanstalt zu einem „Creative Village“ um. Das Betreten des Geländes und der Gebäude ist außerhalb genehmigter Fototouren und Führungen streng verboten, bei Führungen betritt man die Gebäude auf eigene Gefahr.
Baumkronenpfad und Touren
2015 wurde der Baumkronenpfad „Baum & Zeit“ installiert, außerdem entstand ein Barfußpark. Bei geführten Touren kann man den morbiden Charme einzelner Gebäude erkunden oder Fototouren unternehmen, das Areal ist so groß, dass man dies mehrmals tun kann. Hohe Decken, große Fenster, Rundbögen, Schnörkel, Giebel mit Türmchen und Fachwerk und herrschaftliche Eingangsbereiche liegen in einem verwilderten Park. Unzählige Musikvideos wurden hier gedreht, unter anderem Rammsteins „Mein Herz brennt“.
Bildergalerie
Tipps für den Besuch
Das Gelände darf nur im Rahmen von Führungen und genehmigten Fototouren betreten werden. Hunde sind auf dem Baumkronenpfad nicht erlaubt.
Anfahrt und Adresse der Beelitz-Heilstätten
- Adresse Baumkronenpfad
- Straße nach Fichtenwalde 13, 14547 Beelitz-Heilstätten (keine Navigationsadresse)
- Bahn
- Aus Berlin mit dem RE 7 Richtung Dessau, etwa 40 Minuten ab Hauptbahnhof, eigene Haltestelle Beelitz-Heilstätten
- Auto
- Die Heilstätten liegen direkt an der A9
Angaben nach unserem Besuch, Zeiten und Preise können sich geändert haben. Aktuelle Zeiten und Tickets stehen auf der Website des Baumkronenpfads Baum & Zeit.
Karte und Navigation
Die Karte wird von Google Maps bereitgestellt. Beim Laden werden Daten an Google übertragen.













































































